großschreibung

Juni 1st, 2008

für georg schramm

unlängst wollte ich mich bei einer sogenannten mailingliste mittels einer e-mail einschreiben, die den mitgliedern darüber auskunft geben sollte, warum ich dazuzugehören begehrte. kurz darauf erhielt ich antwort, dass man die freischaltung prüfe und ich in kürze bescheid bekäme, ob ich zugelassen sei. etwa 24 stunden später war diese noch nicht erfolgt, weshalb ich also an den eigner der liste schrieb.

wenig später erhielt ich eine mail, die mir die ablehnung meines gesuchs mitteilte. zu deren untermauerung wurde ins feld gefühlt, ich hätte nicht die deutsche groß- und kleinschreibung beachtet.

einigermaßen amüsiert machte ich mich an eine flotte erwiderung, die nun den listeneigner selbst der regelwidrigkeit zieh, welche sich anhand einiger beispiele misslungener orthographie, die sich in der einen abschlägigen zeile drängten, unschwer belegen ließ. ich fügte dem im professoral-belehrenden stil hinzu, es sei, falls er dies noch nicht wisse, nunmehr an der zeit, den umstand zur kenntnis zu nehmen, dass bereits die gebrüder grimm die kleinschreibung des deutschen ganz außerordentlich advoziert hätten.

das kam bei meinem deutschritter indes nicht so an, wie von mir beabsichtigt: ich war nämlich extrem verblüfft und nicht wenig amüsiert zugleich, keineswegs aber verärgert. und deshalb war ich mir zwar des frotzelnden tons meiner antwort bewusst, dachte aber im traum nicht daran, dass der adressat sie als beleidigung auffassen würde.

seine antwort hierauf, auch sie natürlich – wie es angesichts seiner ersten mail zu erwarten war – mit fehlern gespickt, hätte jedem noch so mediokren deutschlehrer schlaflose nächte bereitet. ihr tenor ging dahin, dass er schon viele klugscheißer erlebt, ich aber den vogel abgeschossen hätte. er mache das im übrigen ehrenamtlich und in seiner freizeit uswusf.

da ich merkte, dass der gute mann getroffen war, entschuldigte ich mich artig und in aller form, gab dem thema der verschmähten großschreibung noch einen kleinen wissenschaftlichen anstrich und schloss mit einem lob jeglichen ehrenamtlichen engagements. es tat mir ja auch wirklich leid, meine botschaft nicht angemessen übermittelt zu haben.

und die moral von der geschicht? nun, es will mir dünken, als sei zum einen die tendenz bei jung und alt auf dem vormarsch, von anderen zu verlangen, was man selbst zu tun nicht willens oder in der lage ist. zum anderen scheinen wir in ein zeitalter der ge- und verbote einzutreten, die entweder gänzlich sinnfrei oder ausschließlich dem behufe dienen, menschen zu gängeln, statt ihre freiheit oder gar befreiung zu fördern.

dass man in gaststätten nicht mehr rauchen darf, vermag ich ja noch einigermaßen zu verstehen, weil es ja manchen mitmenschen stört oder diese sich gar von der passiven raucherei gesundheitlich stärker bedroht fühlen, als von dem qualm der autokolonnen, den sie tagtäglich einatmen oder von dem müll, den sie sich als lebensmittel etikettiert einverleiben. ja, es ist geradezu so, als ob nicht mehr allein die temperaturen des wetterberichts gefühlte seien, sondern es vielmehr nur noch darum ginge, was man und wie man sich bei irgendeiner verrichtung oder bei deren unterlassung vorkomme: gefühlte verarmung, gefühlte verblödung, gefühlte ohnmacht. nein, meine frau- und herrschaften, das ist samt und sonders krasse, fühlose realität.

obwohl ich freilich auch den wirt verstehe, wenn er sagt, er habe schließlich aus unternehmerischem antrieb das wirtshaus eröffnet und es sei daher seine privatsache, ob er da rauch erlaube oder nicht. aber dass nun auch die öffentliche einverleibung alkoholischer getränke unter freiem himmel mancherdeutschenorts unter strafe gestellt ist, schlägt dem fass den boden aus

wie weit will dieser reglungssüchtige politikermob eigentlich noch gehen? gibt’s demnächst etwa sprachreglungen zuhauf? müssen wir dann alte menschen chronologisch avancierte mitbürger und -bürgerinnen nennen (wie das in den usa, der geburtstätte von pc, schon zu vernehmen war – chronologically advanced people)? dürfen wir dann etwa bei keiner männlichen grundform mehr das weibliche suffix -in weglassen, meine damen und herrinnen? und wenn wir zu einem afroamerikaner „schwarzer“ sagen, kommen wir dann in psychiatrische verwahrung? nebenbei gefragt: ist es nicht eine frechheit sonder gleichen, die schwarzen in den usa als afroamerikaner zu bezeichnen – als ob alle afrikaner schwarz wären?! und ist es nicht ebenso dreist, die schwarzen „schwarze“ zu nennen? mir scheinen die – mit verlaub – eher braun zu sein.

es geht ein gespenst um in europa, das gespenst des regulatitis. und seinen aufgeblasenen abergläubischen möchtegernkapitalisten mit ihrer entourage aus parvenüs und proleten saust derart der schlechtsitzende frack, dass sie sich mit aller macht noch bereitwillig in die arme jenes ungeistes flüchten, vor dem sie sich so sehr ängstigen. wer aber bereits derart verkauft ist, braucht keinen verrat mehr zu fürchten. denn mit dem verordneten ansinnen, sich nach außen hin allseits fit zu halten und allerorten gut aufzustellen, hat er mehr als genüge zu tun, und sei es, dass er sich selbst noch über derartige belanglosigkeiten wie die regelwidrige kleinschreibung verbreitet. nun, in einem mag er recht haben: nur die deutsche sprache pflegt noch die komplett sinnfreie großschreibung von nomina, satzanfängen und dergleichen mehr. angeblich, so hätten tests ergeben, sei das leichter lesbar. zu dumm allerdings, dass das der rest der welt noch nicht gemerkt hat. aber mit sicherheit ist das nichts als gewohnheit. und gewohnheiten kann man ändern so wie das rauchen in der kneipe und das saufen unter freiem himmel.

daher:

kleinschreiber aller deutschen länder, vereinigt euch. ich bin sicher, euer geballtes potential übersteigt jenes der kleingärtner, -bürger, -geister und großschwätzer um ein vielfaches. und bitte immer dran denken:

helft den armen vögeln!

für alle und keinen

Juni 1st, 2008

mimenda ist zigeunerspanisch und bedeutet: ich selbst.

warum zigeuner- und nicht sinti-und-roma-spanisch?

weil hier nicht pc, sondern tacheles geredet wird.

wer kein tacheles versteht, dem ist nicht zu helfen.

für alle anderen gilt: helft euch selbst, turnt euch selbst an – macht das aus euch, was eure gene von euch fordern würden, wenn sie zu euch sprechen könnten!